Von Sehnsucht & Heimweh

Heimweh und Sehnsucht

Irgendwann übermannte es mich, das Heimweh & die Sehnsucht

Da saß ich nun. Auf einer Parkbank in Melbourne mit einer großen Portion Heimweh. Den ersten Tag in meiner alten Heimat, Melbourne, hatte ich mir gewiss anders vorgestellt. Ich hatte andere Erwartungen an meine Gefühle. Ich wollte nicht weinend hier sitzen.

Von der Vorfreude

Jahrelang gab es die Gedanken, loszuziehen. Eine ganz schön lange Weile hat es gebraucht bis ich überhaupt den Mut aufbringen konnte, das Projekt Weltreise anzupacken. Was, wenn dies…was, wenn das.

Irgendwann packte ich das Projekt an. Ich kündigte den Mietvertrag, ich verkaufte meine Möbel, mein halber Kleiderschrank kam auf den Flohmarkt oder zur Kleiderkammer und zu guter letzt reichte ich die Kündigung ein. Mit jedem Schritt fielen mir mehr Steine von der Brust und die Vorfreude stieg. Aber eines darf ich dir verraten, immer wieder mischte sich auch Angst drunter. Nur die Spannung, die Freude über das, was kommen sollte, war so viel größer, dass die Angst gar nicht mehr so viel Raum hatte.

Vom Abschiednehmen

Es war ein Samstagmorgen. Ich holte bei der Autovermietung den Wagen ab. Meine Freunde trudelten ein und im Nu war mein letztes Hab und Gut im Transporter verstaut. Es war Zeit. Zeit, um mich von Frankfurt und meiner Wohnung zu verabschieden. Alles total surreal. Und wie schnell erst waren die Kisten im Keller meiner Eltern in Mainz verstaut. 6 Wochen zog ich wieder in mein altes Kinderzimmer ein. 6 lange Wochen, die voll waren mit Vorbereitungen und viel zu vielen Abschieden. Das letzte Wochenende war da. Von Freunden ermutigt, hatte ich eine kleine Abschiedsfeier organisiert. Entgegen meiner Antipathie für Abschiede.

Mein-Hab-und-Gut - Heimweh und Sehnsucht

Vom Losziehen

Countdown: die letzten 3 Tage brachen an. Und bei mir kam alles hoch, was ich wochenlang runterschluckte. Der tiefste Abschiedsschmerz war da. Jeden Morgen lag ich in den Armen meiner Mama und heulte. Irgendwann heulten wir beide. Alle Gefühle mischten sich unter. Traurig übers Gehen und freudig übers Reisen und den Mut, mein Ding zu machen.
Und genau das war so viel stärker und größer als die Trauer.
Wir fuhren zum Flughafen. Mein Leben war in einen 65 Liter Rucksack gepackt und ich war kurz davor, den Flieger nach Bangkok zu besteigen. Meinen Freunden hatte ich es verboten, an den Flughafen zu kommen. Meine Augen trieften als ich ihnen per WhatsApp sagte: Hey, ich schaff das nicht, wenn ihr auch da seid. So kurz vor Abflug war ich emotional so erschöpft, dass ich es auch einfach nur noch hinter mir lassen wollte. Ja, und dann war der Zeitpunkt gekommen. Ich saß im Flieger. Mein Gin Tonic stand vor mir. Und irgendwie war alles gut so wie es jetzt war.

 Heimweh und Sehnsucht

Von den ersten Wochen und Monaten

Nach 10 Stunden Flugzeit tauchte Myanmar unter uns auf. Nicht mehr lange, dann sind wir in Bangkok, dachte ich. Aus der Ferne entdeckte ich den Flughafen. Ich freute mich, endlich war ich da und endlich konnte das Abenteuer jetzt so richtig losgehen. 5 Wochen Thailand und Malaysia lagen vor mir. Neue Freundschaften fürs Leben entstanden. Und ja, es gab auch Zeit an Zuhause zu denken. Aber keine Zeit, irgendwas zu vermissen. Kurz vor Weihnachten flog ich nach Australien. Meine australische Familie wartete schon am Flughafen. Ich war dankbar, dass ich den Luxus hatte, Weihnachten im Kreise lieber Menschen zu feiern. Das half gerade an diesen Tagen nicht sentimental zu werden. Ich war vielmehr fasziniert von Weihnachten am Strand und freute mich, per Skype an Heiligabend mit der Familie zu telefonieren. So wie es war, war ich glücklich und zufrieden.

 Weihnachten am Strand - Heimweh und Sehnsucht

Vom Zwischenzeitlich-Alles-mal-in-Frage-stellen

Ich saß in Melbourne. Seit 3 Monaten war ich unterwegs. Nichts fühlte sich mehr so an, wie es sein sollte beziehungsweise wie ich es gerne haben wollte. Ich fühlte mich hier nicht mehr wohl und wollte nur noch weg. Verzweifelt schrieb ich von meiner Parkbank Freunden zuhause: „Ich vermisse dich, ich will eigentlich nur mit dir einen Kaffee trinken gehen.“ Mehr wünschte ich mir nicht. Was half? Ich traf mich mit einer deutschen Freundin abends in Melbourne. Sie war auch seit Monaten unterwegs, hörte mir zu und nahm sich an diesem Abend Zeit für mich. Darüber zu reden half. Alles raus damit, um sich innerlich zu befreien von diesen Gedanken.

Melbourne - Heimweh und Sehnsucht

Vom Ankommen

Ich flog nach Bali. Denn eines lernte ich im Laufe der Zeit: Bloß nicht an einem Ort oder in einer Situation verharren, in der ich mich nicht wohlfühle oder gar unglücklich bin. Reine Zeitverschwendung. Und Bali war die pure Entschleunigung für mich. Ich versprach mir nicht mehr alles sehen und machen zu wollen. Sondern mir Zeit für mich zu nehmen. Den Alltag auf Bali zu beobachten und ein Teil davon zu werden.
3 Wochen hier, 2 Wochen dort. Ich änderte mein Reiseverhalten und blieb länger an einem Ort. Ich kam bei mir an. Mein Parkbank-Moment in Melbourne lag 2 Monate entfernt und jetzt saß ich in Canggu auf meinem Bett. Schon wieder dieses Gefühl, diese Gedanken, gerade lieber bei Familien und Freunden sein zu wollen.

Zulassen - Heimweh und Sehnsucht

Davon, die Sehnsucht & Heimweh zu zulassen

Doch dann kam einfach die Erkenntnis, genau diese Gedanken und Gefühle zu zulassen und nicht zu verurteilen. Und heute zeigt es mir, dass ich unendlich dankbar für Familie & Freunde bin, ich sie immer bei mir haben kann und es ganz normal ist auch mal von dieser Sehnsucht nach einer Umarmung heim gesucht zu werden.

Akzeptieren, was ist - Heimweh und Sehnsucht

Was vermisst du auf Reisen am meisten?

P.S.: Was ich vor allem an meiner alten Heimat, Frankfurt, vermisse und wonach ich mich sehne. Habe ich zuletzt auf dem wunderbaren Frankfurter Stadtblog Frankfurtdubistsowunderbar festgehalten. Hier gehts zum Artikel.

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